Rückblick auf die letzten Wochen und Start in die erste Gartensaison

Nach einem Schwung diverser Feiertage geht die Anbauplanung für das kommende Jahr los. Gar nicht so einfach. 

Vorbei ist die gemütliche Zeit der Zweisamkeit und des Müßiggangs! Volle zweieinhalb Wochen haben David und ich im Dezember miteinander verbracht; angefangen mit seinem Geburtstag und dem daran anschließenden Urlaub vor den Weihnachtsfeiertagen und einer gemeinsamen Woche in Dortmund nach Weihnachten bis hin zum ersten Jahreswechsel auf fruitländischem Boden. Das erste Silvester auf Fruitlands war beschaulich und gemütlich. Bei Eiseskälte heizten wir den Ofen von frühmorgens bis Mitternacht ununterbrochen gut ein, sodass wir uns schön im lauschigen Wohnzimmer einnisten konnten. Dazu verhalfen uns die Weihnachtsgeschenke, die David sich selbst und mir machte: Sich selbst schenkte er eine brandneue Motorsäge und mir danach logischerweise einen Riesenbatzen frischgesägtes Feuerholz. Das wurde auch höchste Zeit, denn mein Holzvorrat war schon bis auf zwei Tagesrationen geschwunden und der Januar wäre unerträglich geworden. Seit Oktober – seit ich mit Leo auf Fruitlands lebe – hat sich hier noch das eine oder andere getan. Allerdings ist es schwierig, im Nachhinein die einzelnen Projekte einzelnen Tagen oder Aktionswochenenden zuzuordnen; alles verschwimmt dadurch, dass ich hier mein Lager aufgeschlagen und meinen Lebensmittelpunkt hierher verlegt habe. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass wir trotz des Winters noch ein bisschen was geschafft haben: An der Nordseite des Grundstücks haben wir eine große Sonnenfalle aus Felsenbirnen, Mirabellen, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Japanischen Weinbeeren gepflanzt. Unser neuer roter Briefkasten wurde angeliefert und von uns am Tor der Hofeinfahrt montiert. Aus einem Holzbrett baute ich uns ein ziemlich überdimensioniertes Namensschild und hängte einen selbstgemachten Traumfänger daran, direkt neben den Briefkasten. Ach ja, und ein Schild mit der Hausnummer machte ich uns auch noch. Nun sieht man also auch vom Feldweg an der Hofeinfahrt aus eindeutig, dass sich hier wieder lebende Organismen angesiedelt haben. Und dass es komische Naturburschen sein müssen, die sich hier niedergelassen haben. Gut so. Inzwischen hatte ich sogar auch schon richtig echte Post! Die Kombination Briefkasten – Namensschild – Hausnummer funktioniert folglich einwandfrei. Zu guter Letzt erwarb David eine ziemlich lang ausfahrbare Aluleiter, mit dessen Hilfe er einen Teil der Regenrinne an The Hive säubern konnte. Hat sich sehr gelohnt. Er hat einige Grasbüschel aus luftiger Höhe weggeklaubt. Innen im Haus ist nicht sehr viel passiert. Im Flur habe ich die teilweise feuchte Tapete restlos entfernt. Vom alltäglichen Kram, der sich hier so abspielt, abgesehen, haben wir nichts weiter verbessert repariert gebaut abgerissen. Das liegt auch daran, dass wir aufgrund der Kälte davon absehen, dauerhaft die Fenster zu öffnen, was aber beim staubschwadenerzeugenden Abschlagen des Innenputzes unumgänglich wäre, und deshalb wurden derlei Arbeiten kurzum auf wärmere Zeitabschnitte verschoben. Wenigstens schaffte ich es aber, einen Großteil des Kellergewölbes zu entmüllen und die unzähligen skelettierten Spinnenleichen samt ihrer Lebenswerke von der Kellerdecke zu fegen (möchte gar nicht wissen, wie viele davon ich schon in den Haaren hatte). Dabei stieß ich auf mehrere Zentner Silikatputz, mit dem ich mich an irgendeinem Gebäude im Verputzen üben möchte, so er denn noch verarbeitbar ist. Vielleicht am Pilgrim House, das sieht zurzeit so unschön aus mit seinem hässlichen freiliegenden Patchwork aus Schlacken- und Ziegelsteinen. Daran ist aber momentan noch nicht zu denken, denn heute zum Beispiel liegt hier wieder Schnee. Womit ich mich aber seit Jahresbeginn viel beschäftige, ist die langersehnte und heißgeliebte Anbausaison, die sogar schon in Kürze startet! Seit dem 19. Dezember war das neue Sortiment beim Saatgutversand meines Vertrauens – das Dreschflegel-Kollektiv – online und zudem schickten sie uns noch einen äußerst informativen Katalog per Post zu, mit dessen Hilfe ich eine umfangreiche Liste mit möglichen Saaten für unsere nächste Bestellung ausknobelte. Wie sich zeigte, war meine (Wunsch-)Liste aus finanzieller Sicht übermäßig lang, sodass ich sie nach Rücksprache mit David nochmal auf die für mich nötigsten und sinnvollsten Basics einkürzte. Was ich an unseren Saatgutlieferanten von Dreschflegel schätze, sind die ethischen Werte, die sie mit ihrer Arbeit propagieren und umsetzen. Alle angebotenen Kulturen sind aus biologischem Anbau (kein Verspritzen von Gift!) und sind samenfest – das bedeutet, ganz knapp gesagt, dass aus den Samen einer selbstangebauten Pflanze neue Pflanzen derselben Art gezogen werden können, ohne dass sich diese auf ungenießbare Arten rückkreuzen, wie es bei den sogenannten F1-Hybriden aus konventionellem Anbau (und bei konventionellem Saatgut der Konzerne aus dem Supermarkt) der Fall ist. Im besten Fall kann ich also mein eigenes Saatgut fürs Folgejahr gewinnen und bin nicht gezwungen, immer neues von den Saatgutkonzernen zu kaufen. Wer sich für das Thema interessiert und mehr dazu wissen möchte, möge auf den Seiten des Dreschflegel-Shops oder der Aktion Bantam stöbern. Oder sich damit beschäftigen, was Monsanto denn eigentlich den lieben langen Tag lang so macht und welche Auswirkungen das hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Unsere Bestellung wurde ziemlich verschlankt und danach abgeschickt. Folgendes Saatgut haben wir jetzt bestellt:

Kümmel 

Dill 

rote Kapuzinerkresse 

griechischer Oregano 

Lavendel 

Salbei 

Schnittlauch 

Thymian 

Zuckermais „Golden Bantam“ 

Kartoffeln 

Knollenziest 

Pastinake „Aromata“ 

Radieschen „Riesenbutter“ 

Rote Bete „Ägyptische Plattrunde“ 

Bärlauch 

Knoblauch „Rocambole“ 

mongolischer Steppenlauch 

Porree „Links vor rechts!“ 

Saatzwiebel „Braunschweiger Dunkelblutrote“ 

Winterheckenzwiebel „Braunschalige“ 

Bunte steirische Käferbohne 

Erbsenwicke 

Sojabohne „Funke“ 

Kidneybohne „Rote von Paris“ 

Chili „Lemon Drop“ 

Lachsbeere 

Glockenpaprika 

Cocktailtomate „Celsior“ 

Wildtomate „Rote Murmel“ 

Halloween-Kürbis 

Butternut-Kürbis 

Brokkoli „Cezar“ 

Helgoländer Wildkohl 

Rosenkohl „Groninger“ 

Grünspargel „Mary Washington“ 

Guter Heinrich 

Bataviasalat „Maravilla de Verano“ 

Kopfsalat „Viktoria“ 

Kopfsalat „Wintersalat“ 

Mexikanischer Wegerich 

Hinzu kommen noch Restbestände unserer Bestellungen aus den vorigen Jahren, sodass wir also nächste Woche Saatgut von Sage und Schreibe 59 verschiedenen Kulturen besitzen! Es wird unmöglich sein, alle davon in einer Saison anzubauen, zumal wir nur fünf Quickpots für die Anzucht besitzen. Wir achten bei der Auswahl unserer Saatgutbestellung immer auf einige Dinge: So nehme ich bevorzugt Saat von robusten altbewährten, am liebsten natürlich regionalen Sorten. Außerdem zeigte sich in der Vergangenheit, dass wir mit ausdauernden, mehrjährigen Kulturen sehr gut gefahren sind, während hingegen die einjährigen Feingemüse in den letzten Jahren fast ausnahmslos von spanischen Wegschnecken vertilgt wurden. Auch essbare ausdauernde heimische Wildpflanzen stehen bei uns hoch im Kurs. Und Kräuter sowieso. Ich liebe es, Kräuter anzubauen. Ferner habe ich Kulturen ausgewählt, von denen ich denke, dass ich eventuell das eine oder andere Samenkörnchen daraus gewinnen kann, um im nächsten Jahr schon einen Grundstock eigenen Saatguts zu besitzen, aus Pflanzen, die den Standort hier kennen und sich den Gegebenheiten an diesem Ort angepasst haben. Unsere Erfahrungen mit dem Gemüseanbau fußen allerdings auf jahrelanges Wirken in unserem Pachtgarten in Dortmund, in dem leider das biologische Gleichgewicht dank besagter spanischer Wegschneckenpopulation völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Glücklicherweise sind uns hier auf dem Hof bislang nur sehr sehr wenig Exemplare dieses invasiven Neozoen ohne Fressfeinde begegnet, und ich hoffe, das bleibt auch so. Vielleicht wird das Gärtnern hier auf dem Hof also ganz anders. Wir werden sehen und ich freue mich darauf! Seit gestern stehe ich vor einer ganz anderen großen Herausforderung, nämlich das auszutüfteln, was man gemeinhin „eine gutgeplante Mischkultur“ nennt. Wie soll das verdammt nochmal gehen? Zum einen habe ich das Problem, dass in Büchern und auf Webseiten Tabellen mit „Gute Nachbarn/Schlechte Nachbarn“-Konstellationen aufgeführt werden, die sich teilweise massiv widersprechen. Wer hat denn nun Recht? Da steht dann, dass Pflanze A super mit Pflanze B harmoniert, während an anderer Stelle ausdrücklich davon abgeraten wird, die beiden zusammen in ein Beet zu setzen. Und wenn ich mich denn für eine Meinung entschieden habe und Pflanze B nicht zu Pflanze A setze, aber dafür alle anderen freundlichgesinnten Pflanzen C, D, E und F, dann stelle ich fest, dass sie alle sich zwar angeblich super mit Pflanze A verstehen, aber sich manche untereinander spinnefeind sind. Da durchzublicken und dann noch zu planen, wer wo mit wem zusammen aufwachsen und sterben darf, stellt sich für mich als Ding der Unmöglichkeit dar. Ich fürchte, dass das in perfekter Konstellation gar nicht machbar ist und an manchen Stellen Abstriche gemacht werden müssen. Oder ich doch nur auf Monokulturbeeten anbaue. Ha ha. Nein, das möchte ich nicht. Ich stelle mir gerade eine eigene Matrix zusammen, in die die Behauptungen anderer Tabellen einfließen, erarbeite daraus dann Pläne für einzelne Beete und dann werde ich im Sommer durch Beobachten meiner Mischkulturbeete feststellen, welche Pflanzen wo wie mit wem wachsen und wo wie nicht. Ist ja immerhin mein erstes Anbaujahr als Großgrundbesitzer und ich muss reichlich Fehler machen, um zu lernen. Aber bis dahin mummle ich mich hier im Hive ein, schaue mir draußen an, wo der Schnee als erstes taut und wo der Wind den Boden freifegt, wuppe die letzten Wochen des Unisemesters und schmiede Pläne für das kommende Jahr.

2 Antworten

  1. thehanomag

    +1 für Knollenziest!

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